Herstellungsarten und Erhaltungen von Münzen

Herstellungsarten

Vorab möchte ich auf ein seit ewigen Zeiten bestehendes Missverständnis hinweisen. Die Begriffe Polierte Platte und Spiegelglanz sind keine Erhaltungsgrade. Es sind Herstellungsarten. Meist werden diese Begriffe mit einer Erhaltungsangabe gleich gesetzt. Münzen in Polierter Platte bzw. Spiegelglanz weisen fast immer kleine Kratzer und Haarlinien auf. Dieses wird im Allgemeinen toleriert.

Ebenso wird zwischen den Begriffen Polierte Platte und Spiegelglanz im Tagesgeschäft kein Unterschied gemacht. Alles wird als PP bezeichnet.

In meinen Münzangeboten habe ich mich den aktuellen Gepflogenheiten angepasst. Meine Münzen biete ich entsprechend an.

 

Polierte Platte (PP; Proof, PR, PF)

Die Münzen werden auf polierten Ronden (Rohlingen) geprägt. Bei der Prägung werden polierte Stempel benutzt. In der Regel erscheint der Münzengrund dann spiegelnd, das Münzenrelief (die erhabenen Stellen) ist mattiert. Die Prägung erfolgt meist durch dreimaliges sanftes Senken und Heben des Stempels. Der Prägevorgang wird meist manuell durch Menschen ausgelöst. Er dauert pro Münze ca. 6 Sekunden (eigene Beobachtung beim Besuch mehrerer Prägestätten). Diese Münzen sollten nicht mit bloßen Händen angefasst werden. Sie sollten in dem Behältnis (z. B. Münzenkapsel) bleiben, wie sie geliefert wurde.

Spiegelglanz (spgl; Proof Like, PL)

Wie bei Polierte Platte. Es werden lediglich keine polierten Ronden verwendet. Daher können auch feinste Kratzer auf der Münzenoberfläche zu sehen sein.

Normalprägung

Münzen für den Umlauf und Sammlermünzen werden in Normalprägung hergestellt. das ermöglicht die Herstellung großer Stückzahlen. Die Maschine arbeitet automatisiert und stellt pro Sekunde ca. 5 Münzen her. Die Stücke werden nach dem Prägen automatisch mit der Randschrift versehen. Danach fallen sie in große Container. Hierbei entstehen die meisten Beschädigungen an den frisch geprägten Münzen. Anschließend werden sie in Rollierautomaten gerollt.

Wichtiger Hinweis: manchmal sind Münzen mit dem Hinweis NP gekennzeichnet. Dieses bedeutet nicht Normalprägung sondern Nachprägung. Es handelt sich dann nicht um eine originale Münze.

 

 

Erhaltungsgrade

handgehoben

(hdg, hgh)

Die Münze wird nach der Prägung mit der Hand vom Stempel gehoben. Anschließend wird die Münze sofort einzeln verpackt. Diese Erhaltungsangabe kann sowohl auf PP-Münzen als auch Münzen in Normalprägung angewendet werden. In der Regel wird Erhaltungsangabe nur für österreichische und slowakische Prägungen verwendet.

stempelglanz, prägefrisch

(st, stgl, prfr) / Brillant uncirculated (BU)

Die Münze hat keine mit bloßem Auge sichtbaren Fehler. Tatsächlich gibt es Münzen mit diesem Erhaltungsgrad fast gar nicht. Insbesondere, wenn die Münzen in der modernen Massenfertigung hergestellt werden. Münzen die so angeboten werden, erfüllen meist nur das Kriterium unzirkuliert, eventuell etwas besser. Um sich von dieser Unsitte abzugrenzen, werden Münzen in echter Stempelglanz-Qualität auch mit dem Zusatz "fein" angeboten.

Erstabschlag

(EA)

Hierbei handelt es sich um eine Münze aus der modernen Massenproduktion. In der Regel können nur etwa die ersten einhundert Stücke, die mit einem frischen Stempelpaar geprägt wurden, so bezeichnet werden. Es ist ein sehr schöne Unterscheidung zwischen Münzhintergrund und Relief möglich. Ähnlich wie bei einer Münze in Spiegelglanz.

unzirkuliert, bankfrisch

(unz, bfr) / uncirculated (unc)

Münzen, die diesem Kriterium entsprechen, wurden mittels automatischer Massenproduktion hergestellt. Nach dem Prägen und Rändeln fallen diese Münzen in große Container. Dadurch entstehen eine Unzahl an Kratzern, Einschlägen und Dellen. Durch schnell verschleißende Prägestempel ändert sich zunehmend auch das Aussehen der neuen Münzen. Die Münzflächen werden immer matter.

vorzüglich-stempelglanz, fast unzirkuliert

(vz-st, unz-) / almost uncirculated (AU)

Eine Münze mit sehr geringfügigen Kratzern und/oder minimalen Reibungsspuren. Diese Beschädigungen sind in der Regel durch unsachgemäße Handhabung durch einen Sammler oder einen sehr kurzen Umlauf entstanden. Die Beschädigungen beeinträchtigen die Gesamterscheinung nicht.

vorzüglich

(vz, vzgl) / extremely fine (XF, EF)

Diese Qualitätsangabe wird für Münzen verwendet, die nur kurz umgelaufen sind. An vertiefenten Stellen bzw. im Münzengrund ist der Prägeglanz noch sichtbar. An den erhabenen Stellen kann eine minimale Abnutzung erkennbar. Allerdings sind sämtliche Münzendetails klar sichtbar. Durch die Zirkulation können auch kleine Kratzer entstanden sein.

sehr schön

(ss) / very fine (VF)

Sowohl die erhabenen Stellen als auch der Münzengrund haben deutlich sichtbare Spuren aus dem Umlauf. Während feinere Details des Reliefs abgenutzt sind, sind die mittleren Details noch problemlos erkennbar.

schön

(s) / fine (F)

Durch jahrelangen Umlauf sind die Details teilweise nicht mehr sichtbar. Die Münze hinterlässt aber einen homogenen Gesamteindruck. Die In- und Umschriften sowie Konturen sind vollständig erhalten.

 

Zusatz

Es gibt noch weitere Erhaltungsgrade: sehr gut, sehr gut erhalten (sg, sge) / very good (VG); gut, gut erhalten (g, ge) / good (G); Mäßig erhalten (-) / fair (FR); Gering erhalten (ge) / poor, basal state (PO, BS): Diese Erhaltungsgrade kommen im deutschen Sprachraum so gut wie nicht mehr verwendet. Moderne Münzen, die dschlechter als sehr schön sind, sind in der Regel nicht mehr sammelwürdig.

Zusätze

+

Eine Münzen, deren Erhaltungsgrad ein "+" Zeichen enthält, ist etwas besser erhalten, als der Grad eigentlich angibt.

-

Eine Münzen, deren Erhaltungsgrad ein "-" Zeichen enthält, ist etwas schlechter erhalten, als der Grad eigentlich angibt.

ex PP

Für die Herstellung der Münze wurde das PP-Verfahren angewendet.  Durch unsachgemäße Behandlung oder ähnlichem ist die Münze nicht mehr einwandfrei.

berieben

Meist PP-Münze, die mit einem Tuch abgerieben wurde. Dadurch entstanden viele kleine Kratzer, sogenannte Haarlinien.

geputzt

Die Münze wurde mit einem Putztuch gereinigt. Relief und Münzenhintergrund glänzen in der Regel gleichartig. Durch Putzen wird der Münzwert meist deutlich reduziert

RF

Die Münze hat einen Randfehler (starker, scharfer Einschlag am Rand)

RD, RDD

Randdelle, meist durch das Herunterfallen der Münze auf den Fußboden verursacht.

geh

gehenkelt. An die Münze wurde mit ein Ring (Henkel) angelötet. So konnte die Münze an einer Kette getragen werden

gefasst

Die Münze war in eine Fassung eingearbeitet, mit der die Münze an einer Kette getragen werden konnte

gestopft

Die Münze hatte mal ein Loch oder eine starke Beschädigung, welche durch neues Material beseitigt wurde.

ex

bedeutet als Zusatz "war einmal"